Körperliches Training in der Corona-Krise

Behalten Sie die Ausdauer und bewahren Sie die Kraft!

Körperliches Training in der Corona-Krise- Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Public Health

Thomas Dorner, Nadine Zillmann, Christian Lackinger und Sylvia Titze

Die im Titel genannten Parolen wurden von der österreichischen Bundesregierung eingesetzt, damit die Ausgehbeschränkungen von der Bevölkerung weiterhin eingehalten werden. Aus Public Health Sicht ist in den Parolen ein weiterer Auftrag enthalten, nämlich: „Halten Sie Ihre körperliche Ausdauer und Ihre muskuläre Kraft aufrecht!“. Die Prognose einer Covid-19-Erkrankung kann durch höheres Alter, bestehende Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus und Bluthochdruck schlechter ausfallen, dafür gibt es bereits gute Belege (Zhou et al., 2020; AHA, 2020). Aber es mehren sich (bisher noch weniger gut abgesicherte) Hinweise darauf, dass es nicht diese Konditionen per se sind, die die schlechtere Prognose bedingen, sondern, dass generell eine niedrige kardio-respiratorische Fitness (die häufig mit höherem Alter und mit den erwähnten Erkrankungen in Zusammenhang steht) einen Risikofaktor darstellt. Viel spricht dafür, gerade in Zeiten wie diesen die körperliche Fitness aufrechtzuerhalten oder zu verbessern. Sei es zur Förderung des generellen körperlichen und psychischen Wohlbefindens, im Sinne eines Gegenpols zu den negativen Effekten, die die aktuelle Corona-Situation auslösen kann. Sei es aber auch, um für die körperlichen, psychischen und gesundheitlichen Herausforderungen in der Zeit nach der CoronaKrise gerüstet zu sein. Über körperliche Aktivität während der anhaltenden Covid-19-Pandemie wird in wissenschaftlichen Artikeln (z. B. Chen et al., 2020) geschrieben und internationale sowie nationale Fachgesellschaften empfehlen der Bevölkerung weiterhin körperlich aktiv zu sein. In Österreich veröffentlichte bisher beispielsweise der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP, 2020) entsprechende Empfehlungen. Auch im Rundfunk, im Fernsehen und in den Printmedien gibt es zahlreiche Aufrufe zu mehr körperlicher Aktivität. Die täglich steigenden Zahlen an Corona-Infizierten sowie Berichte über teilweise schwere bis sehr schwere Verläufe resultieren (selbstredend und teilweise gut nachvollziehbar) in Plädoyers für mehr und bessere Strukturen und Ressourcen in der kurativen Medizin und insbesondere in der Intensivmedizin. Doch zeigt uns die Corona-Krise auch deutlich, dass es mehr denn je wichtig und notwendig ist, in Gesundheitsförderung und Prävention zu investieren. Mit einer Erhöhung der kardio-respiratorischen Fitness bei möglichst vielen Menschen kann sowohl in der aktuellen Pandemie als auch bei zukünftigen Geschehen – ausgelöst durch neue Wellen bestehender oder neuer Infektionskrankheiten – die Belastung des Gesundheitssystems, die Hospitalisierungsrate und die Mortalität reduziert werden. Einige Tipps, um in Zeiten der körperlichen Distanz die körperliche Fitness zu bewahren, finden sich nachfolgend:

Indooraktivitäten

Auch wenn wir zurzeit generell zu Hause bleiben sollen, und Fitnesscenter und Sportvereine geschlossen haben, gibt es viele Möglichkeiten, die kardiovaskuläre und muskuläre Fitness und Kraft aufrecht zu erhalten oder zu verbessern:

  • Auch im Home-Office gilt: Sitzende Tätigkeit soll spätestens alle 60 Minuten unterbrochen werden.
  • Es gibt zu Hause großartige Möglichkeiten für ein muskuläres Workout. Dazu können Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, mit Kurzhanteln, mit elastischen Bändern, oder einfach mit Alltagsgegenständen gemacht werden. Soziale Medien, aber auch Massenmedien sind voll von kreativen Ideen für muskuläre Workouts.
  • Auch Ausdaueraktivitäten (Stiegen Steigen, Gehen am Stand, Schnurspringen, Hampelmänner) können zu Hause durchgeführt werden.
  • Viele Anbieter von Bewegungsaktivitäten haben in kürzester Zeit Online-Angebote geschaffen. Mit Hilfe von Video-Konferenzen kann live und remote an Trainingsaktivitäten teilgenommen werden. Rückfragen an die Instruktorinnen und Instruktoren sind jederzeit möglich.
  • Home-Office ist unmittelbar mit Video-Konferenzen mit Kolleginnen und Kollegen verbunden, die man üblicherweise physisch treffen würde. Diese Konferenzen können auch für ein 15-minütiges, gemeinsames Workout genützt werden.

Ourtdooraktivitäten

Sportliche Aktivitäten außer Haus sollten in Zeiten der körperlichen Distanz die Ausnahme sein. Aktivitäten im Freien wie zügiges Gehen, Laufen oder Radfahren, sind jedoch nach wie vor allein oder mit Menschen aus demselben Haushalt möglich. Wichtigste Grundregel dabei ist, Rücksicht zu nehmen und den Mindestabstand von 2 Metern zu anderen Menschen einzuhalten. Zur Einhaltung der Regel kann es notwendig sein, einen Bogen um andere Menschen zu machen oder warten zu müssen, bis ein Vorbeikommen mit genügendem Abstand möglich ist.

Literatur

AHA (American Heart Association). Working out while staying safe during the coronavirus outbreak. Published March 17, 2020. https://www.heart.org/en/news/2020/03/17/working-out-while-staying-safe-during-the-coronavirusoutbreak

BÖP (Berufsverband Österreichischer PsychologInnen). Informationsblatt „COVID-19: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne überstehen“. BÖP, 17.03.2020 https://www.boep.or.at/download/5e71d59d3c15c85df5000028/20200317_COVID-19_Informationsblatt.PDF

Chen P, Mao L, Nassis GP, Harmer P, Ainsworth BE, Li F. Coronavirus disease (COVID-19): The need to maintain regular physical activity while taking precautions. J Sport Health Sci. 2020 Mar;9(2):103-104. doi:10.1016/j.jshs.2020.02.001. 

Zhou F, Yu T, Du R, Fan G, Liu Y, Liu Z, Xiang J, Wang Y, Song B, Gu X, Guan L, Wei Y, Li H, Wu X, Xu J, Tu S, Zhang Y, Chen H, Cao B. Clinical course and risk factors for mortality of adult inpatients with COVID-19 in Wuhan, China: a retrospective cohort study. Lancet. 2020 Mar 11. pii: S0140- 6736(20)30566-3. doi:10.1016/S0140- 6736(20)30566-3. [Epub ahead of print]

aus ÖGPH Newsletter März 2020:5-6